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„Die Zukunft der Führung
wird demokratischer.“

Dr. Elke Frank, Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft

Zur Zukunft der Arbeit befragten wir Dr. Elke Frank, Senior Director Human Resources und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland.

1. Was bedeutet Arbeit für Sie?
Arbeit ist für mich eine erfüllende und sinnstiftende Tätigkeit, die weder orts- noch zeitgebunden ist. Denn ausgestattet mit Smartphone, Tablet oder Laptop kann Wissensarbeit heute überall und zu jeder Zeit stattfinden.

2. Was verbinden Sie mit Erfolg?
Wenn ich meine Ziele und Vorgaben im Berufsleben erreiche und dabei trotzdem Zeit für Dinge abseits der Arbeit finde, für Familie und Freunde, für meine Freizeit und dabei noch Spaß habe – das ist für mich Erfolg.

3. Was wird die Zukunft von Arbeit bestimmen?
Die Zukunft der Arbeit wird vor allem von der zunehmenden Digitalisierung bestimmt. Sie erlaubt uns, nicht nur selbstbestimmter, sondern auch kreativer zu arbeiten – das bietet insbesondere für Wissensarbeit enorme Chancen. Aber auch die Produktion befindet sich durch die Digitalisierung im Wandel und profitiert davon – Stichwort Industrie 4.0/Internet of Things. Entscheidend ist dabei, die Technologie mit den Bereichen Unternehmenskultur und Arbeitsort in Einklang zu bringen.

4. Gerade bei Bürotätigkeiten werden Flexibilität, mobile Strukturen, offene Räume und Unabhängigkeit favorisiert. Freiheit, Beweglichkeit, Offenheit und Autonomie setzen Eigenmotivation, Selbstdisziplin und individuelles wie kollektives Vertrauen voraus. Wie kann ein Unternehmen diese Eigenschaften (bei Mitarbeitern) sicherstellen und fördern?
Damit flexibles Arbeiten zum Erfolgsmodell wird, bedarf es eines weitreichenden Wandels der Unternehmens- und Führungskultur. Dazu gehören neben einem gestärkten Vertrauensverhältnis auch neue Kommunikationsstrukturen, neue Bewertungssysteme sowie klare Regeln für Arbeitgeber und Arbeitnehmer – dafür haben wir auch einen Leitfaden entwickelt, den sogenannten How-to-Guide für erfolgreiches flexibles Arbeiten.

5. Wie werden die zunehmende Offenheit und Autonomie die Führungskultur in Unternehmen verändern?
Wer Teams führt, muss heute seine Mitarbeiter sehr genau kennen und sich auch die Zeit nehmen, sie besser kennenzulernen. Führungskräfte müssen auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen und ein Gespür haben, wann und wo ihre Mitarbeiter die beste Leistung bringen können. Zudem muss man Netzwerke – auch international – lenken können. Noch bedeutender ist die Fähigkeit, mit anderen Menschen einfach und klar zu kommunizieren. Führung wird demokratischer werden und entwickelt sich in Richtung Coaching, in Form einer Unterstützung der Mitarbeiter.

6. Neben dem Anspruch an Flexibilität, dem Streben nach Unabhängigkeit und individueller Selbstverwirklichung spielen in der Arbeitswelt auch Gemeinschaftssinn und Gemeinschaftserlebnis bei Menschen als soziale Wesen eine wichtige Rolle. Wie kann ein Unternehmen die Distanz aus individueller Autonomie und die Nähe gemeinschaftlicher Interaktion vereinen?
Unternehmen dürfen auch im Rahmen der zunehmenden Flexibilisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt nicht das Gemeinschaftsgefühl der Mitarbeiter vernachlässigen. Vor allem die Führungskräfte stehen dabei in der Pflicht, Austauschformate wie z.B. regelmäßige Teammeetings aufzusetzen, in denen sich die Mitarbeiter auch von Angesicht zu Angesicht sehen. Feedbackgespräche zwischen Führungskraft und Mitarbeiter sollten dabei immer persönlich stattfinden.

7. Wie sieht das Büro der Zukunft aus? Ist es künftig eine reine virtuelle Kommunikations- und Interaktionsplattform? Welche Rolle spielen dabei die Sozialen Medien?
Wenn wir alle zunehmend von unterwegs oder zu Hause aus arbeiten, nimmt die Bedeutung des Büros als fester Arbeitsplatz ab – gleichzeitig wird es als Ort der Begegnung und Vernetzung immer wichtiger. Die künftigen Office-Umgebungen sollten die moderne Arbeitswelt widerspiegeln und ein Höchstmaß an Flexibilität und Zusammenarbeit ermöglichen. Es wird mehr Abwechslung darin zu finden sein: Kleine und große Tische, offene und geschlossene Räume. Einzelzimmer, in denen ich in Ruhe arbeiten kann, und große Meeting-Räume mit allen digitalen Möglichkeiten. Gerade soziale Netzwerke wie zum Beispiel Yammer werden für die Kommunikation eine wichtige Rolle spielen. Hierüber kommunizieren Teams, teilen ihr Wissen und ihre Dokumente mit anderen und bleiben über alle Zeitzonen und geografische Grenzen in Kontakt.

8. Wie verändert die zunehmende Virtualisierung unserer Kommunikations-, Erlebnis- und Arbeitswelten unser Leben? Wie unseren Alltag?
Bezogen auf die Arbeit bietet uns die Digitalisierung und Virtualisierung vor allem mehr persönliche Freiheiten, den Arbeitsalltag so zu gestalten wie es für unsere individuellen Bedürfnisse am besten passt. Die neue Arbeitswelt findet aber nicht alleine in den Unternehmen statt, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nahezu alle Lebensbereiche unserer Gesellschaft umfasst. Beispiel Familie: Für viele Eltern ist es inzwischen selbstverständlich, mit ihren Kindern via Skype zu kommunizieren, das Smartphone ist ein alltäglicher Begleiter geworden. Wir brauchen eine noch stärkere Debatte über die Digitalisierung, denn sie verändert unser Leben und Arbeiten gleichermaßen.

9. Was ist Ihre Vision eines idealen Unternehmens?
Das ideale Unternehmen ist für mich eine Organisation, die ihren Mitarbeitern soweit wie möglich freie Hand in der persönlichen Arbeitsgestaltung bietet. Starre Hierarchien sind nicht mehr zeitgemäß, Unternehmen müssen viel mehr netzwerkartig denken und agieren. Und: Wissen muss für alle zugänglich gemacht werden. Denn an der Teilhabe von Wissen innerhalb von Unternehmen hängt nicht zuletzt auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, ja des ganzen Landes.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Elke Frank,
Senior Director Human Recources und
Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland

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Das neue Buch von Dr. Elke Frank und
Dr. Thorsten Hübschen:

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Out of Office
Warum wir die Arbeit neu erfinden müssen

„Dieses Buch trifft den Nerv der Zeit. Denn die überlieferten Vorstellungen über Arbeit passen nicht mehr zur Wirklichkeit. Ein Diskurs ist dringend nötig.“ – Auszug aus dem Vorwort von Prof. Götz M. Werner, Gründer und Aufsichtsratsmitglied von dm-drogerie markt.

Einst waren die Büros die Verheißung auf eine bessere Arbeitswelt – in der heutigen Gesellschaft von digital vernetzten Wissensarbeitern verlieren diese an Bedeutung. Die entscheidenden Fragen lauten: Wie, wo und wann wollen wir zukünftig arbeiten? Und was muss sich in den Köpfen und Unternehmen ändern, damit wir den Anschluss an das neue digitale Wirtschaftswunder nicht verpassen?

Mit anderen Worten: Hier ist eine nachholende Revolution (über)fällig, eine Emanzipation von Ort und Zeit, vom »nine to five«, eine Abkehr von der strikten Trennung von »harter« Arbeit tagsüber und »endlich« Freizeit und »echtem« Leben danach. Bis dahin ist es noch ein weiter, aber notwendiger Weg. Was sich in Unternehmen und Gesellschaft dafür ändern muss, ja ändern wird, haben Elke Frank und Thorsten Hübschen aus ihrer Praxis reflektiert und auf den Punkt gebracht. In ihrem Buch beschreiben sie alle Aspekte des nötigen Umbaus der Arbeitsorganisation und Arbeitswelt: weg vom klassischen Büroalltagskorsett, hin zu einer mitarbeitergestalteten, flexiblen und mobilen Arbeitsweise und vertrauensbasierten Unternehmenskultur. Ihre Konzepte, Modelle und Prozessbeschreibungen sind nicht nur zukunftsweisend, sondern auf viele Firmen übertragbar. Die Digitalisierung erlaubt uns, nicht nur selbstbestimmter, sondern auch kreativer zu arbeiten – und das bietet insbesondere für Wissensarbeit enorme Chancen. Die beiden Microsoft-Manager Elke Frank und Thorsten Hübschen entwerfen in diesem faszinierenden Buch das Bild dieser neuen Arbeitswelt. Sie zeigen, wie flexible Arbeitsorganisation, neue Architektur und moderne Technologie es den Menschen möglich macht, ihre wahren Potenziale noch mehr zu entfalten.

Das Buch ist auch ein Appell an Gesellschaft und Politik, die Digitalisierung endlich als das zu begreifen, was sie ist: die große Chance, das Zusammenspiel von Arbeit und Leben entscheidend zu verbessern.